Jugendsprache - Warum Jugendliche "Egosurfen" müssen
Die Jugendsprache ist wohl der Sprachstil, der sich in der heutigen Gesellschaft am schnellsten verändert: Gehört man heute noch dazu, kann man nur wenige Jahre später mit vielen Wörtern fast nichts mehr anfangen.
Der Grund für diese (zugegeben manchmal etwas abenteurlichen) Wortschöpfungen ist, dass sich die Sprache von Jugendlichen ähnlich turbulent verhält wie die Erfahrungen und Einstellungen in ihrer aktuellen Lebensphase. Auf der Suche nach der eigenen Rolle in Altersgruppe und Gesellschaft finden deshalb Übertreibungen und Ironie ebenso oft ihre Anwendung in der Jugendsprache wie Wörter für "In" oder "Out" sein. Dabei lassen sich Jugendliche nicht nur von den Trends inspirieren, die durch (oft amerikanische) Songtexte und SitComs gesetzt werden, sondern auch von bewegenden Nachrichen (daher das Wort "guttenbergen") und von ihrer zunehmend aufblühenden Kreativität ("Beraterpommes" für Sushi und "Freibiergesicht" für Schnorrer). Nichtsdestotrotz hinterlässt die Globalisierung auch hier ihre Spuren: Lehnwörter wie "High Five" und "Epic Fail" sind dafür ein klarer Beweis. Die schwindelerregende Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung, sei es durch die Medien oder privat über soziale Netzwerke, hilft zusätzlich, neue Wörter zu prägen und zu verbreiten.
Schließlich stellt sich die Frage, ob die Jugendsprache nur ein bedeutungsloses Symbol des jugendlichen Überschwangs darstellt, oder ob sie einen tatsächlichen Nutzen in unserer Gesllschaft erfüllt. Angesichts der vielen Entlehnungen aus anderen Sprachen sowie den teilweise beleidigenden Wortschöpfungen sind ältere Generationen oft schnell auf der Gegenseite. Doch eine nähere und objektive Betrachtung zeigt: Die Jugend ist eine der stärksten sprachlichen Kräfte der Gesellschaft, die bewusst wahrgenommen und in ihrer Kreativität nicht unterschätzt werden sollte...auch wenn ihre Sprache letztlich nur das Ergebnis des metaphorischen "Egosurfens" ist (den eigenen Namen in eine Suchmaschine eingeben).